York University ICOS Graphic
24 Oct 2017 05:41am -0400 EDT
Language
Home | About ICOS | Contact Us

ICOS 2008 Conference Abstract

Die meistgebrauchten Wege der Ortsnamengebung in Võrumaa, Estland

Author(s):
E Saar
Võru Institute, Estonia

Es ist ein theoriegebundenes Beispiel aus dem Toponymischen Korpus von Võrumaa, einem Altkreis Estlands, dessen Lokalprache Võruisch unter anderem auch eine neuentdeckte Regionalsprache in Estland ist.

Ich habe untersucht die gebräuchlichsten Elemente der võruischen Toponymie (im Korpus insgesamt über 23 000 benannte Objekte) untersucht. Als theoretische Grundlage diente syntaktisch-semantische Analysemodell der finnischen toponomastischen Schule. Bei lexikalsemantischer Klassifizierung der gebräuchlichsten Bestimmungsglieder wurden verschiedene Beziehungen zwischen der sprachaussenen Ausgangstellung und dem wortbildenden Modell (Šrámek 1973), oder zwischen Grundprinzipien der Namengebung und dessen sprachlichen Realisationen (Kiviniemi 1987), klar sehbar.

Im Fall der gebräuchlichsten Bestimmungsglieder öffnen sich die dominanten Beziehungen zwischen Namen und dessen Motiven auch mit Hilfe der Erklärungen der Namenbenutzer. Solche Überlieferungen sind mir durch eigene Feldarbeit gut bekannt. Man kann im Fall Võrumaa sagen, dass die volksetymologischen Phantasien regelmässig eine Minderheit im Vergleich zu wahrscheinlichen Überlieferungen bilden, wenn es um recht häufige Toponyme und dessen Erstelemente geht. Nur dann, venn die lexikale Bedeutung der Bestimmungsteile sehr attraktiv wirkt, geht das Wissen über wirklichen Benennungsmotiven schneller verloren. Zum Beispiel dienen Tierbenennungen als alte Personennamen oder auch relativ junge Familiennamen; die Überlieferung über bestimmte Menschen wird im kollektiven Gedächtnis schnell durch eine typische Geschichte (Tierbegegnung usw.) ersetzt.

Ich gestalte die Verhältnisse zwischen Grundprinzipien der Namengebung und dessen sprachlichen Realisationen als eine zweischichtige Sektoraufteilung. Im Fall der gebräuchlisten Toponymen eines Sprachgebiets kann eine solche Kartierung ziemlich übersichtlich wirken. Gebraucht wird Eero Kiviniemis Klassifikation der dominierenden Grundprinzipien (1978, verbessert 1990). Die sprachliche Realisation ist eng zu Sprache und Kultur des Untersuchungsgebiets verbunden.


Kivinemi, Eero 1987: Voidaanko nimeämisperusteet luokitella? – Kieli 2, Helsinki: Helsingin yliopiston suomen kielen laitos. S 7-34.

Kiviniemi, Eero 1990: Perustietoa paikannimistä. Suomi 148. Helsinki: SKS.

Šrámek, Rudolf 1973: Zum Begriff „Modell“ und „System“ in der Toponomastik. – Onoma XVII (1972/73). Leuven. S 55–75.

Canadian Flag
ICOS 23 © 2006-2008